Schönheitsideale und Schönheitszwang

Frauen – und interessanterweise zunehmend auch Männer – fühlen sich in unserer modernen Gesellschaft geradezu gezwungen, stetig an ihrem Körper zu arbeiten. Medien und Werbung forcieren das Schönheitsideal und suggerieren gleichzeitig, dass jede/r diesem Ideal entsprechen kann, wenn er sich nur weiter anstrengt und falls nötig zu den richtigen Produkten greift. Wie sehr unsere Gesellschaft inzwischen von diesem  Schönheitszwang geprägt ist, zeigen nicht nur Werbeplakate mit Models sondern im besonderen Maße auch Diätangebote und Schönheitscremes. Für das Individuum bedeutet dies, dass Schönheit nur noch bedingt als naturgegeben, sondern dass etwas dafür getan werden muss und es demzufolge Gewiner und Verlierer gibt – und wer sieht sich schon gern als Verlierer?

Schönheit im Sinne dieses Wettbewerbsideals wird damit auch zu einem ethisch-gesellschaftlichen Wert, der sich nicht mehr einzig auf  Äusseres beschränkt, sondern gleichermaßen Aufschluss über qualitative Attribute wie Durchhaltevermögen und Wissen zu geben scheint. Dies erzeugt Druck, jung und schön zu sein. Und häufig ist eben der beste Weg diesem Druck zu entkommen nicht, sich ihm widersetzen, sondern sich mit ihm, bis zu einem gewissen Punkt, zu arrangieren. Wer sich also zB. einer Hautverjüngung unterzieht, fügt sich zwar dem Druck, gibt sich aber deswegen keineswegs auf. Das Problem scheint zu sein, dass viele Frauen im Laufe der Emanzipation ihre klaren Rollenbilder verloren haben. Der technische Fortschritt und die Tatsache, dass viele Korrekturen heute tatsächlich möglich sind, tragen das Ihrige dazu bei, dass sich viele Frauen heute stärker bemühen, dem Schönheitsideal näher zu kommen

Andererseits sind Schönheitsideale schon seit weit vor der Antike bekannt. Das Äußere war immer schon ein Teil des Individuums, der zu seinem seinem Ansehen bei Anderen beiträgt. Auch auf die Freiheit, voll und ganz über den eigenen Körper bestimmen zu können – ein Recht also, das auch westliche Gesellschaften Frauen nur zögerlich Vorbehalten zugestehen – möchte niemand verzichten. Ob und wie sehr frau an ihrem Äußeren arbeitet, ist eine individuelle Entscheidung und es nicht per se schlecht. Manipulative Schönheitsideale kritisch zu manipulativ wirken können und kritisch hinterfragt werden müssen, steht ausser Frage. Wer dies nicht tut, wird schnell zum Opfer. Aber wer sich mit Macht dagegen stemmt, wird in der Regel auch nicht glücklich. Entscheidend ist, wie bei so vielen anderen Dingen auch, ein möglichst bewusster Umgang mit gesellschaftlichen Werten und Normen.

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