Vom Gag zur Uhr

Jedesmal, wenn wieder irgendwo ein Geburtstag oder ein Jubiläum ansteht, ist das ewige alte Problem wieder da – wie nur soll frau ihre Mitmenschen beschenken, wenn diese schon alles haben? Bekanntlich beschäftigt sich mittlerweile eine ganze Industrie damit, eine neue Geschenkidee nach der anderen zu entwerfen – so stark ist der Andrang der verzweifelten Schnellschenker. Aber Hand aufs Herz – die persönlichsten Geschenke sind fast immer selbstgemacht. Adieu, Geschenkportale dieser Welt, ihr seid einfach zu stressig. Ich habe mich auf das Verschenken von selbstgemachten (besser: selbstgestalteten) Uhren verlegt, und verschenke (fast) nur noch diese.

Die Gehäuse fertige ich selbst oder finde sie in der Rumpelkammer und auf dem Flohmarkt, die technischen Komponenten wie Zeiger, Zifferblatt und Funkuhrwerk hole ich mir im Fachhandel und setze sie ein. Der Witz sind die Gehäuse – selbst wenn sie sehr einfach oder minimalistisch sind, der durch die Funktion der Zeitanzeige entstehende Nutzwert macht aus dem fertigen Objekt deutlich mehr als nur die Summe seiner Teile. Mit dieser Formel im Rücken geht viel, es braucht dazu nur (wie immer)  etwas Querdenken.

Kontraste können sehr effektiv sein – mittlerweile wurden unter meiner Regie ein Dampfbügeleisen und eine ausgediente Mandoline zu Uhren ernannt und mit Erfolg verschenkt. Auch ein persönlicher Bezug zur beschenkten Person wirkt gestalterische Wunder – Babyflaschen-Uhren für junge Mutter oder Gipsbein-Uhren nach dem Skiunfall kommen mindestens ebenso gut an wie eine Dugena von der Stange, das kann ich persönlich bezeugen. Im Prinzip hat so gut wie jeder Gegenstand das Zeug zur Uhr – die Stelle zum Bohren der zum Einsetzen des Uhrwerks nötigen Öffnungen findet sich manchmal spontan, manchmal nach etwas Grübeln.

Aber (gut gemachte) Uhren-Gags sind eigentlich nur der Anfang. Nur ein paar Uhren weiter wartet schon die querdenkerische Beschäftigung mit Oberflächen, Formen und neuen Materialien. Und manchmal geht es dann schnell vorwärts mit der Kreatitviät, denn eine gute Idee bei einem Handwerksbetrieb in Auftrag zu geben ist keineswegs verboten. Und wenn mal eine richtig gute Idee dabei sein sollte, dann wird auch der Sache am Ende gar noch Ernst. Uhrendesignerin Petra Nygren aus Stockholm, die ihre Modelle heute in 40 Ländern verkauft, fand Uhren anfangs auch langweilig und trug selbst überhaupt keinen Schmuck.

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